Vom 03. bis 10. Oktober machte die Gesellschaft eine Reise in die Picardie. Die Picardie liegt nördlich von Paris und ist eine vielseitige Landschaft mit vielen kulturellen Höhepunkten. Das typisch Französische lernten wir gleich zu Anfang nach unserer Ankunft in Compiègne, dem Ausgangspunkt unseres Besuchs in der  Picardie, kennen: wir wurden alle zu einem Apéritif eingeladen bei Verwandten unseres Mitgliedes Annick Schneider. Annick ist in der Picardie aufgewachsen und ein großer Teil ihrer Verwandten lebt dort. Ihre Verwandten haben mit ihrer liebenswürdigen Gastfreundschaft uns die Türen zum französischen Leben in der Picardie geöffnet und wir fühlten uns gleich durch diesen „außer-touristischen“ Auftakt wohl in diesem Landstrich.

 

Logiert haben wir in einem Hotel im Zentrum von Compiègne und haben von dort aus für jeden Tag unsere Ausflüge organisiert. Da war zum Beispiel zu Beginn eine Stadtführung durch Compiègne, das durch sein Schloss berühmt ist, welches besonders von Napoleon III benutzt wurde. Hinter dem Schloss erstreckt sich ein riesiger Park, der durch lange Alleen und Blickachsen das Schloss besonders eindrucksvoll erscheinen lässt. Ein weiterer Ausflug führte uns zu der berühmten Festung Pierrefonds, welche im Rahmen des Historismus des 19. Jahrhunderts aus einer mittelalterlichen Ruine wieder aufgebaut wurde. Unter der Leitung von des damals berühmten Architekten Viollet-le-Duc entstand eine prachtvolle Wiederherstellung der historischen Burganlage, prachtvoller vielleicht als das ursprüngliche Bauwerk.

Pierrefonds

Pierrefonds, die gewaltige im 19. Jahrhundert „wiederaufgebaute“ Festung

 

Mit den Verwandten von Annick haben wir auch Ausflüge gemacht, die nicht im „Baedecker stehen“, wie den herrlichen Spaziergang durch Morienval, das herzhafte Mittagessen in einem sehr schönen und typischen Landgasthaus in St. Jean aux Bois oder der Besuch der Abtei von Chaalis, letztere vollgestopft mit den Ergebnissen einer lebenslangen „Sammelwut“ ihrer letzten Besitzerin.

 

Etwas ganz Besonderes war für uns der Besuch der Vollblut-Trainingsanlagen von Chantilly. Chantilly ist die größte Trainingsanlage für Vollblutpferde in Europa. Etwa 3.000 Vollblutpferde stehen in Chantilly und werden dort auf den im Wald eingebetteten Trainingsstrecken von mehr als 250 km Länge geritten. Wir fuhren zum Morgentraining dieser wunderbaren, schönen und anmutigen Pferde und konnten dort – unter fachkundiger Leitung - die Tiere, aber auch Stallungen und Trainingsanlagen bewundern. Chantilly ist außerdem berühmt für die nach dem Louvre größte Gemäldegalerie Frankreichs, die im 19. Jahrhundert angelegt wurde und seitdem – aufgrund entsprechender testamentarischer Verfügungen – nicht verändert wurde. Die Galerie gibt daher – neben der Möglichkeit großartige Gemälde zu sehen – einen Eindruck wie Gemälde-Galerien im 19. Jahrhundert organisiert und aufgebaut waren.

Pferde und Jockeys auf dem Weg zum Training

 

Der Name von Compiègne ist historisch Interessierten durch den Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland am Ende des ersten Weltkrieges bekannt. Hier wurde in einem Speisewagen der französischen Eisenbahnen der Waffenstillstand unterzeichnet. Wir besuchten die „Clairière de l’Armistice“, wenige Kilometer nördlich von Compiègne, wo ein Museum an den Waffenstillstand und den grausamen Stellungskrieg der damaligen Zeit erinnert. Wir machten uns dankbar klar, dass die „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich inzwischen der deutsch-französischen Freundschaft Platz gemacht hat.

ChantillySchloss

Das Schloss von Chantilly

Neben den kulturellen und eben für die Gegend ganz typischen Zeugnissen haben wir natürlich auch sehr die französische Küche der Gegend genossen. Wir gingen abends regelmäßig essen und lernten – oft mit Unterstützung unserer Wörterbücher - neue Speisen und neue Weine kennen und genießen.

 

Die Woche war eine große Bereicherung, erlebnisreich und informativ und hat dazu beigetragen, dass wir unser Partnerland Frankreich (immer) besser kennen lernen.